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Absturz PHOBOS-GRUNT: ESA-Büro für Weltraumschrott sieht nur geringes Risiko

Sonntag, 15. Januar 2012

Die angegebenen Fehlerquoten der Vorhersagen der weltweit anerkanntesten Experten hinsichtlich des Wiedereintritts und Absturzes der russischen Weltraumsonde PHOBOS-GRUNT schrumpfen heute von (gestern noch) relativ vielen Stunden auf Minutenwerte. Als wichtigsten Prognosen zusammengefasst betrachtet, sollte der Satellit, der momentan nur noch eine Höhe von 126,9 km (aktuelle Umlaufbahn: 123x140km) hält, zwischen etwa 16:00 und 22:30 Uhr in die Erdatmosphäre eintreten.

Davon ausgehend, dass diese Zeitangabe eintreffen wird, sind nun eine ganze Menge Regionen "aus dem Schneider", in erster Linie Nordamerika, Süd- und Westafrika:

Credit: Aerospace
  Für Südamerika, Europa, Asien und Australien hingegen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Territorium von den Resten des Satelliten "besucht" werden.

Am 12. Januar hat die ESA einen Artikel ( >>> Originalbericht) veröffentlicht, der sich mit Erkenntnissen des agenturübergreifenden Weltraumschrott-Komitee IADC befasst. Demnach sollte GRUNT größtenteils in der Erdatmosphäre verglühen und vor allem
die mit unsymmetrischen Dimethylhydrazin (UDMH) gefüllten Treibstofftanks oberhalb einer Höhe von 100 Kilometer bersten, den Treibstoff freisetzen und danach zum Großteil verglühen.
Außerdem wird Prof. Heiner Klinkrad, Leiter des ESA-Büros für Weltraumschrott, wie folgt zitiert:
Dies, zusammen mit einem relativ niedrigen Leergewicht von nur 2,5 Tonnen, bedeutet, dass das von Phobos-Grunt ausgehende Risiko als gering eingestuft wird. Roskosmos geht davon aus, dass im schlimmsten Fall 20 bis 30 Fragmente die Erdoberfläche erreichen werden. Die Gesamtmasse der Trümmer beträgt dabei weniger als 200 kg.
Ein weiteres Zitat aus der Publikation der ESA möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:


Seit Anbeginn der Raumfahrt gibt es keinen bestätigten Bericht über Personenschäden durch wiedereingetretene Weltraumtrümmer.

In wenigen Stunden wissen wir vielleicht schon Genaueres.
Sollte die Sonde allerdings ins Meer stürzen, ist es genausogut möglich, dass wir nie Genaueres erfahren werden.

Wiedereintritt und Absturz PHOBOS-GRUNT steht bevor

Samstag, 14. Januar 2012

Es ist soweit.

Die russische Marssonde PHOBOS-GRUNT befindet sich unmittelbar vor ihrem Wiedereintritt und Absturz (unkontrolliert) auf die Erde. Die meisten der Experten erwarten, dass dies am Abend (UTC) des morgigen Sonntags (15. Januar 2012) passiert.

Wie gewöhnlich beruht das Gros der momentan verbreiteten Informationen, die mit dem Absturz einhergehen, auf reiner Spekulation. Der für viele Leute wichtigste Punkt - der Absturzort - ist dabei wie immer unmöglich vorherzusagen (für den Fall, dass Sie in irgendwelchen Medien diesbezügliche Angaben gelesen haben sollten).

Was man allerdings mit jeder vergehenden Stunde immer exakter prognostizieren kann, sind die Orte, Regionen oder Länder, auf deren Territorium PHOBOS-GRUNT nicht fallen wird. In der Grafik laut Aerospace stellt sich dies zum Beispiel wie folgt dar:


Credit: Aerospace

Wir sehen, dass Deutschland als Absturzstelle durchaus "noch Chancen hat".

Was genau passieren wird, wenn der Satellit wieder in die Erdatmosphäre eintritt und abstürzt, darüber wird im Moment eifrig diskutiert. "Überlebt" PHOBOS-GRUNT den Absturz möglicherweise unversehrt? Besteht als Folge noch Hoffnung, dass das an Bord befindliche LIFExperiment eventuell nicht verloren geht? Ist der Satellit gar schwimmfähig?

Von ihrer Politik des Schweigens nicht abweichend, ist von der russischen "Roskosmos" - der Betreiberagentur der Sonde - so gut wie nichts zu erfahren, was zur Aufklärung beitragen könnte.

Über den Teilen unseres Planeten, die gerade im Dunkeln liegen, wenn GRUNT sie überfliegt, ist der Satellit mittlerweile zu sehen. Gerade in diesem Moment gehen neue Sichtmeldungen aus Australien ein.

Wo sich PHOBOS-GRUNT gerade genau befindet, sehen Sie unter anderem beim Live-Tracking von Heavens Above:

Credit: Heavens Above
Und so bleibt uns einmal mehr nicht viel anderes übrig als abzuwarten.

PHOBOS-GRUNT: ESA beendet offiziell Zusammenarbeit mit russischen Kollegen (ROSKOSMOS)

Freitag, 2. Dezember 2011

Wie die ESA gerade berichtet, stellt die Europäische Weltraumorganisation heute mit Bedauern und in Absprache mit der russischen PHOBOS-GRUNT-Missionsleitung ihre Unterstützung des Projekts formal ein. Die Hilfestellung der ESA bestand in erster Linie in der Bereitstellung ihrer Boden-Tracking-Stationen in Perth (Australien) und Maspalomas (Kanaren, Spanien).

Seit dem 24. November ist es nicht mehr gelungen, Kontakt mit der Sonde aufzunehmen, welche seit ihrem Start in einer erdnahen Umlaufbahn "feststeckt". Der letzte Versuch von Perth aus fand am 1. Dezember statt, in Maspalomas hat man es am heutigen 2. Dezember ein letztes Mal versucht.

Die ESA betont aber auch:

Im Falle einer Änderung der Sachlage, stehen ESA-Teams zur Verfügung die Situation neu zu bewerten.

Mars: ESA veröffentlicht HQ-Fotos von den Phlegra Montes auf dem Roten Planeten

Mars: ESA veröffentlicht HQ-Fotos von den Phlegra Montes auf dem Roten Planeten
3D-Aufnahme Phlegra Montes auf dem Mars
 Credits: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
Während CURIOSITY noch eine Weile brauchen wird, um in die Nähe des Planeten Mars zu gelangen (der Start war uebrigens so präzise, dass der Marsrover einen Monat lang oder mehr keine Kurskorrektur vornehmen müssen wird) und PHOBOS-GRUNT aller Wahrscheinlichkeit gar nicht erst auf die Reise zum Roten Planeten geschickt werden kann (seit dem 24. November hat man keinen Kontakt mehr mit dem Satelliten herstellen können), steht die Erforschung des Mars in der Zwischenzeit doch nicht still.

Die ESA hat heute von der High-Resolution Stereo Camera auf ihrem "Mars Express" am 1. Juni 2011 (Orbit 9465) aufgenommene Fotos der Region der Phlegra Montes auf dem Mars veröffentlicht. Bei einer Darstellung von 16 Metern / Pixel kann man wirklich von HQ (Hi-Res, hochauflösend) reden.

Ein wichtiges Thema der Untersuchungen bleibt Wasser in seinen verschiedenen Aggregatzuständen. Die Auswertung der Fotos durch Experten ergibt eine steigende Wahrscheinlichkeit für 3 Dinge:
  • dass irgendwann Wasser in der Region geflossen ist,
  • dass sich Trümmer in der Region an den Bergen nach unten bewegt haben und
  • dass sich in der Region unterirdische Eisfelder befinden. 

ZUM ARTIKEL UND DEN FOTOS

Kann Phobos-Grunt heute in eine höhere Umlaufbahn gebracht werden?

Montag, 28. November 2011

Der letzte Kontakt mit der russischen Marssonde PHOBOS-GRUNT fand am vergangenen Donnerstag, dem 24. November 2011, statt. In dem Fall war es die Station des russischen Weltraumbahnhofs Baikonur selbst, die mit dem Satelliten kommunizieren konnte.

Die Bodenstation der ESA im australischen Perth unternahm am Wochenende keine Versuche, PHOBOS-GRUNT zu erreichen, da sie mit den Vorbereitungen einer anderen Mission befasst war.

In der heutigen Nacht wird es zwischen 18:21 und 03:47 Uhr wieder 5 Möglichkeiten geben, den Satelliten zu kontaktieren, von denen 4 aufgrund der Bedingungen (Orientierung und Sonnenlicht) vielversprechend aussehen.

Die russischen Techniker haben die ESA mit einer Reihe von Kommandos versorgt, die man dem Satelliten in den kommenden Stunden zu senden versuchen wird. Das Hauptanliegen dieser Kommandos besteht darin, GRUNT "aufzufordern", seine Triebwerke zu zünden und in einen höheren Orbit zu "boosten".

Hintergrund ist die Hoffnung, viel besser mit der Sonde kommunizieren zu können, wenn sie etwas weiter entfernt von der Erde ihre Kreise zieht. Momentan sind die Zeitfenster, in denen überhaupt nur die Möglichkeit besteht, Grunt zu kontaktieren, mit etwa 7 Minuten sehr kurz.

Laut ESA werden die russischen Verantwortlichen morgen über Erfolg oder Misserfolg des Versuchs berichten. Wann die Zündung der Triebwerke stattfinden soll, wurde nicht bekanntgegeben.

Phobos-Grunt: Erste offizielle Informationen auf Deutsch zur Kontaktaufnahme der ESA mit dem Satelliten

Mittwoch, 23. November 2011

Wir mussten nicht lange warten, um offizielle Details hinsichtlich des in vergangenen Nacht hergestellten Kontaktes der ESA mit dem russischen Satelliten PHOBOS-GRUNT zu erfahren. Besser noch, der Bericht kommt in deutscher Sprache und von der ESA selbst:


 Im Artikel werden nun endlich auch einige Vermutungen von Beobachtern direkt oder indirekt bestätigt. So zum Beispiel der Umstand, dass es der niedrige Orbit ist, der den Technikern so gewaltige Schwierigkeiten bereitet.
Ein weiterer Punkt, den wir selbst wegen spekulativer Gründe bisher nicht angesprochen haben, besteht in der Energiesituation der Sonde. Es wurde vermutet, dass Grunt nur dann über elektrische Energie verfügt, wenn er sich auf der Sonnenseite der Erde befindet, wo seine Sonnensegel ihn mit elektrischem Strom versorgen können. Da die Batterien an Bord angeblich nur eine sehr geringe Speicherkapazität besitzen (Grunt war nicht dafür konzipiert, sich lange in einer Umlaufbahn zu befinden, die ihn konstant dem Erdschatten aussetzen würde), glauben viele Fachleute, dass der Satellit auf der Schattenseite der Erde praktisch energielos ist. Und ohne Bordenergie ist es unmöglich, in Kommunikation mit den Bodenstationen zu treten, die er in jenem Moment überfliegt.
Für heute Abend besteht neue Hoffnung, denn zwischen 21.21 und 21.28 Uhr MEZ und zwischen 22.53 und 23.03 Uhr MEZ werden sich neue Kommunikationsfenster für die ESA-Bodenstation in Perth öffnen. 

Sondermeldung Phobos-Grunt: Bodenstation der ESA in Perth, Australien empfängt Signal der russischen Marsmission!

Nach nunmehr 14 Tagen seit dem Start hat es am Dienstag (22. November) Abend um 20:25 Uhr UT einen ersten Kontakt mit dem von vielen Experten bereits verloren geglaubten Satelliten Phobos-Grunt gegeben, berichtet die ESA.

Die Spekulationen in Internetportalen hinsichtlich der Konsequenzen dieser freudigen Überraschung ufern gerade etwas aus. Wir erhoffen uns mehr verlässliche News und Nachrichten im Laufe dieses Tage.

Phobos-Grunt: Wiedereintritt und Absturz der Stufe 2 der Zenit-Rakete voraussichtlich am 22. November

Dienstag, 22. November 2011

Heute wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Stufe 2 der Zenit-Trägerrakete, die den russischen Satelliten Phobos-Grunt  in die Erdumlaufbahn brachte, auf unseren Planet zurückkehren. Wann und wo genau, ist wie bei allen unkontrolliert auf die Erde fallenden Objekten aus dem All unmöglich prognostizierbar.

Mission gescheitert

Den Satelliten selbst betreffend ist die Frage nach dem Startfenster aufgetaucht, welches sich gestern geschlossen hat. Als Reaktion darauf musste Roskosmos offiziell die Ziele der russischen Marsmission aufgeben. Bei dieser Angabe handelt es sich um die Erfüllung der kompletten Mission. Phobos-Grunt wäre theoretisch noch immer in der Lage, zum Mars zu gelangen, wenn die Techniker in der Lage wären, in Kürze Kontakt mit der Sonde aufzunehmen. Aber Phobos-Grunt wäre seit gestern nicht mehr in der Lage, auch mit den Bodenproben vom Marsmond Phobos zur Erde zurückzukehren, welches das primäre Ziel des Projekts war.

Kontamination durch giftigen Treibstoff 

Da es den russischen Technikern nach wie vor nicht gelungen ist, Kontakt mit Phobos-Grunt herzustellen, bekommt die Diskussion um die Gefahr einer Kontaminierung auf der Erde durch den giftigen nicht verbrauchten Treibstoff an Bord des Satelliten neue Dimensionen. Vor allem das Hydrazine, welches sich in gefrorenem Zustand befindet, bereitet vielen Fachleuten Sorgen. Diese durchsichtige Flüssigkeit kommt unter anderem in Pestiziden zur Anwendung und kann laut der U.S. Environmental Protection Agency bei akutem Ausgesetztsein die menschliche Leber, Nieren und das zentrale Nervensystem schädigen.
Vladimir Popovkin, Chef bei Roskosmos, spielt das Risiko herunter und behauptet, dass der Treibstoff während des immer wahrscheinlicher werdenden baldigen Wiedereintritt und Absturz höchstwahrscheinlich explodieren und somit nicht auf die Erde gelangen würde.

Möglicher Abschuss des Satelliten

Um jeglichem Risiko aus dem Weg zu gehen, besteht die Option, den Satelliten noch hoch über der Erdoberfläche abzuschießen. China gelang dies 2007 mit einem nicht funktionierenden Wettersatelliten und die USA (Navy) zerstörten 2008 einen nicht operierbaren Spion-Satelliten mit einer Standard Missile-3. Übrigens offiziell mit dem Ziel, den Tank voll Hydrazine zu vernichten.

US-Experten halten die Wahrscheinlichkeit, Phobos-Grunt auf diesem Weg erfolgreich unschädlich machen zu können, für gering, was sie vor allem mit dem tiefen Orbit und der Kürze der Zeit begründen. Obwohl Russland anscheinend seit kurzem ein funktionierendes Air-and-Space-Command zur Verteidigung des Landes gegen Raketen und Satelliten besitzt, kommt der Faktor des zu wahrenden Gesichts hinzu. Man stelle sich vor, es würde Russland nicht gelingen, seinen eigenen Satelliten "vom Himmel zu holen". 

Phobos-Grunt: Ziele der gescheiterten russischen Marsmission offiziell aufgegeben

Montag, 21. November 2011

Die Ziele der russischen Marsmission Phobos-Grunt mussten nun offiziell aufgegeben werden, da sich das Startfenster (der Zeitraum, in dem es möglich war, den Satelliten auf den Weg zum Mars zu bringen, wenn er am Boden geblieben wäre) heute, am 21. November 2011, geschlossen hat.

Während sich offizielle Quellen weiterhin äußert bedeckt halten, wird vor allem in russischen Medien der "Russische Fluch", der auf dem Bemühen Russlands, eine Untersuchung des Mars erfolgreich voranzutreiben, zu lasten scheint, diskutiert.

Das Webportal Russian Space Web berichtet unter Bezug auf Quellen im Space Research Institue IKI und einem der Partner der Website (Namen werden wie gewöhnlich nicht genannt), dass die Projekte Verena-D, Luna-Resurs und Luna-Glob, die alle 3 auf der für Phobos-Grunt entwickelten Hardware basieren, zumindest für den Moment weiter auf Kurs gehalten werden und bisher (Stand 20. November 2011)  keine Entscheidung bezüglich eines Abbruchs getroffen wurde.

Was eine russische Rückkehr zum Mars anbelangt, liegen momentan wohl die größten Hoffnungen in einer Einladung aus Europa zur Teilnahme an der ExoMars-Mission.

Über das weitere Schicksal von Phobos-Grunt und einen immer wahrscheinlicher werdenden Wiedereintritt und Absturz in naher Zukunft werden wir berichten, sobald verlässliche Informationen vorliegen.

Phobos-Grunt: Mehr Spekulationen als Fakten um den Status der russischen Marsmission

Mittwoch, 16. November 2011

Spärlich und nicht sehr aussagekräftig sind die offiziellen Statements der russischen Verantwortlichen in Bezug auf den aktuellen Stand der Dinge bei PHOBOS-GRUNT, dessen Aufgabe es ist, Bodenproben vom Marsmond "Phobos" einzusammeln und zur Erde zu transportieren (geplante Heimkehr 2014).

Sehr weit ist der Satellit nach seinem erfolgreichen Start vor einer Woche bisher nicht gereist. Man ist sich mittlerweile einig, dass 2 notwendige Zündungen des Antriebs des Satelliten nicht stattgefunden haben. Die erste, um die Sonde in einen weit höheren Orbit zu befördern. Die zweite, um sie endgültig auf Kurs in Richtung Mars zu bringen. PHOBOS-GRUNT steckt seit wenigen Stunden nach dem Start in einer tiefen, erdnahen Umlaufbahn fest.

Der Satellit wird beobachtet, aber bisher haben die russischen Techniker keinen Kontakt mit ihm bestätigen können. Die russische Weltraumbehörde Roskosmos wird mittlerweile von der NASA und der ESA unterstützt, was zu einem wichtigen Teil in der Bereitstellung von Kommunikations- und anderen technischen Installationen zum Ausdruck kommt, aber da PHOBOS-GRUNT inklusive der vorgesehenen russischen Kommunikationsstationen dahingehend konzipiert werden, sich sehr weit weg von der Erde "miteinander zu unterhalten", gestaltet sich die Kontaktaufnahme sehr schwierig. Die Zeitspanne, in der diese momentan überhaupt nur möglich wäre, wird mit jeweils nur 3 - 7 Minuten pro Vorbeiflug angegeben.

  Damit sind die halbwegs glaubwürdigen Fakten eigentlich schon erschöpft. Alles weitere, was dieser Tage in verschiedenen Medien und Portalen zu lesen ist, fällt in den Bereich der Spekulation.

Wird der Satellit bei einem möglichen Wiedereintritt und Absturz komplett in der Athmosphaere vergluehen und verbrennen? Gilt dies auch für den hochgiftigen Treibstoff, von dem PHOBOS-GRUNT circa 10 Tonnen an Bord hatte und kaum etwas verbraucht wurde? Sollte der Satellit abgeschossen werden? Falls ja, wer sollte dies tun? (Täten es die Russen selbst, käme dies einem Eingestehen des eigenen Scheiterns gleich. Nicht auszudenken, wenn dann der Abschuss auch noch daneben gehen sollte. Andere Nationen könnten Bedenken haben, mehr vom Entwicklungsstand ihrer ASAT's aka Anti-Satelliten-Waffen preiszugeben, als ihnen lieb ist. Auch eine potenzielle Gefahr für die International Space Station ISS wird diskutiert.)

Um derlei Dinge dreht sich momentan ein großer Teil des internationalen Informationsaustausches in Internetforen etc. Was nicht verwundert, denn wo harte Fakten auf Sparflamme gekocht werden, blüht die Phantasie auf.

Momentan sorgt allerdings ein weiterer Fakt für Gesprächsstoff. Periodisch werden "mysteriöse" leichte Boosts beobachtet, die den Satelliten jeweils in einen etwas höheren Orbit transportieren. Eine spekulative aber durchaus logische Erklärung ist, dass die kleinen Korrekturtriebwerke (thrusters) regelmäßig aktiviert werden.

Die große Frage lautet: Warum tun sie das? Versucht PHOBOS-GRUNT, sich selbst zu retten?


Wie üblich ist von der russischen Seite nicht viel zu erfahren, wobei "nicht viel" wie eine gnadenlose Übertreibung klingt, wenn man bedenkt, dass sie die Boosts bisher noch nicht einmal offiziell bestätigt hat.

Noch eine der besten russischen Quellen ist Igor Lisov, Kolumnist der "News of Cosmonautics" bei Ria Novosti. Leider muss Igor sich oft damit begnügen, mit Informationen zu arbeiten, deren exakte Herkunft er nicht nennen darf.
Dementsprechend spricht Igor von "einer Quelle in der Weltraumindustrie", die erklärt habe, dass die Sonde ihren Orbit ab und zu selbst korrigiere.

Das sieht Dr. David Warmflash anders.
Dr. Warmflash ist der führende Wissenschaftler des US-Teams des Planetary Society's LIFExperiments , welches sich an Bord von PHOBOS-GRUNT befindet.

Dr. Warmflash stellt die Frage: "Korrigiert ihren Orbit? Bedeutet das, dass die Sonde weiß, wo sie sich befindet?" und antwortet selbst: "Wahrscheinlich nicht."

Eine eindeutige Erklärung hat auch Dr. Warmflash nicht parat, aber zumindest eine mögliche Ursache.
Roskosmos geht davon aus, dass GRUNT nach den nicht stattgefundenen Zündungen in "Safe Mode" umgeschaltet hat, in dem er schlichtweg auf Anweisungen wartet. Bisher hat Roskosmos nicht bestätigt, ob im "Safe Mode" Aktivitäten des Satelliten enthalten sind, die eine Selbstkorrektur der Umlaufbahn anhand einer Orientierung an der Sonne auslösen, um einen potenziellen Absturz zu verhindern oder hinauszuzögern. Aber es ist vorstellbar, dass solche Mechanismen existieren. Etwas schwieriger vorstellbar erscheint es uns, dass diese "Boosts" in die korrekte Richtung einfach nur auf irgendeiner Art von Glück beruhen.

Festzustellen bleibt der Umstand, dass die russischen Techniker mehr Zeit bekommen werden, um Kontakt mit PHOBOS-GRUNT aufzunehmen, sollten die Boosts kontinuierlich weiter erfolgen. Und wenn Kontakt aufgenommen werden kann, ist alles möglich. Denn noch scheint selbst eine etwas verspätete, aber erfolgreiche Mission nicht ganz undenkbar zu sein.

Bleiben die Kommunikationsversuche erfolglos, wird PHOBOS-GRUNT irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft unkontrolliert zur Erde zurückkehren.

Potenzieller Wiedereintritt und Absturz Fobos-Grunt: Aktuelle Informationen

Freitag, 11. November 2011

Immer mehr Beobachter der Phobos-Grunt-Mission kommen momentan zu der Erkenntnis, dass das Projekt zum momentanen Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht war, um realisiert zu werden. Fehlende Tests, schwerwiegende technische Probleme, Missmanagement und unnoetiger politischer Druck duerften mitverantwortlich dafuer sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das 165-Millionen-Dollar-Unternehmen zu einem kompletten Misserfolg wird, nun mit jedem Tag steigen (was selbst bei der russischen Nachrichtenagentur Interfax zu lesen ist).  Dass sich die russischen Verantwortlichen auch jetzt in der Krise sehr bedeckt halten, macht die Sache nicht besser.

Gelungen ist bisher nur der Start der Sonde. Das Erreichen des Hauptziels und schwierigsten Teils der Mission, Phobos-Grunt mit Bodenproben vom Marsmond "Phobos" unversehrt wieder nach Hause zu lotsen, scheint in weite Ferne gerueckt.

Die Versuche der letzten Nacht, Kontakt mit dem Satelliten aufzunehmen, sind nach aktuellem Stand der Bekanntmachungen saemtlich gescheitert.

Dementsprechend befassen sich immer mehr offizielle und nicht ganz so offizielle Prognostiker mit dem Thema des möglichen Wiedereintritts und Absturzes der Sonde für den Fall, dass man sie nicht auf den Weg kriegen sollte. NORAD bzw. das US Strategic Command hält momentan noch am 26. November 2011 als wahrscheinliches Absturzdatum fest, andere qualifizierte Prognostiker hingegen sagen den Absturz teilweise bis weit in den Dezember hinein voraus.

Aus Russland werden Quellen mit diesen und jenen Angaben zitiert. Leider handelt es sich dabei aber fast ausschließlich um ungenannte Quellen.

Die potenziell vom Absturz des Satelliten betroffene Zone wurde mittlerweile minimal reduziert. Anstatt vom 52. nördlichen bis zum 52. südlichen Breitengrad ist jetzt die Rede von 51,4° Nord bis 51,4° Süd, was unter anderem immer noch einen großen Teil von Deutschland beinhaltet.

Die giftigen noch fast vollständig an Bord befindlichen Treibstoffe (unsymmetrische Dimethylhydrazine und Nitrogen Tetroxide) - es handelt sich sogar um 10 Tonnen und nicht "nur" 7 - sollten nach jüngsten Angaben zumindest zum größten Teil während des möglichen Wiedereintritts in die Erdatmosphäre verbrennen. Trotzdem geht man aufgrund der Größeße und Bauart des Satelliten davon aus, dass überlebende Teile auf die Erde stürzen würden. Vor allem die für den Transport der Bodenproben vorgesehene Kapsel ist fue eine extrem harte Landung konzipiert worden und dürfte komplett auf der Erdoberfläche ankommen.

Neu ans Tageslicht gedrungen ist die Erkenntnis, dass die Onboard-Operationen während des Transits des Satelliten vom Anfangs-Park-Orbit bis hin zum Transfer-Orbit so angelegt wurden, dass sie ausschließlich von der automatisierten Kontrolle an Bord des Raumfahrzeugs vorgenommen werden (anstatt eine Zwei-Weg-Kommunikation mit Bodenstationen zu ermöglichen). Dies macht die derzeitigen Versuche, das Spacecraft unter Kontrolle zu bekommen, nicht einfacher.

Ausgebildete Beobachter haben Phobos-Grunt im Laufe des heutigen Tages gesichtet und berichten immerhin von einem stabilden Eindruck, den der Satellit mache. Es ist keine Rede von wildem Trudeln oder unkontrolliertem Flugverhalten.

Phobos-Grunt - Der "giftigste abstürzende Satellit" könnte auf eine dicht besiedelte Zone fallen

Donnerstag, 10. November 2011

Die Probleme des russischen Satelliten, der eigentlich auf dem Weg zum Mars, genauer gesagt zum Marsmond "Phobos", sein sollte, sind noch nicht gelöst. Mehr noch, die Ursachen wurden noch nicht einmal definitiv erkannt.

Immerhin ist mittlerweile bekannt, wo sich der Satellit befindet  und was passiert ist.
Das eigene Triebwerk der Sonde zündete kurz nach dem erfolgreichen Start im russischen Raumfahrtzentrum Baikonur zwei Impulse nicht, die notwendig gewesen wären, um Phobos-Grunt auf Kurs zum Mars zu bringen. Folge: Der Satellit steckt jetzt in einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde fest.

Die große und bisher nicht beantwortete Frage ist nun, ob die nicht stattgefundenen Zündungen auf das Konto der Software oder der Hardware des Satelliten gehen. Sollte die Software der Marsmission der russischen Weltraumbehörde "Roskosmos" einen Streich gespielt haben, besteht noch Hoffnung, denn wenn Kontakt mit der Sonde hergestellt werden könnte (was man gerade eifrig versucht), könnten die Zündungen inklusive aller notwendigen Daten-Updates eventuell neu programmiert werden. Hierfür hätten die Techniker außerdem etwas mehr Zeit als ursprünglich angenommen. In der ersten Hektik wurden 3 Tage als Zeitrahmen genannt. Da Phobos-Grunt momentan aber "nur" mit etwa 2 Kilometern pro Orbit fällt, bleibt voraussichtlich eine längere Periode für Diagnose und potenzielle Problemlösung.

Die European Space Agency (ESA) wird ihren russischen Kollegen ab sofort aktiv zur Seite stehen.

Sollte sich allerdings ein Hardwarefehler als Auslöser des Problems herauskristallisieren, dann steht es schlecht um die erste russische interplanetarische Mission seit 15 Jahren. Denn ein Hardwareproblem kann definitiv nicht ferngesteuert behoben werden und noch sind wir nicht in der Lage, ein Reparaturteam oder einen unbemannten Reparaturroboter zu einem Satelliten in der Erdumlaufbahn zu schicken.

In diesem Fall würde Phobos-Grunt in nicht allzu ferner Zukunft zurück auf seinen Heimatplaneten stürzen. Ungesteuert und unkontrolliert.
Irgendwo zwischen 52. Breitengrad Nord (Berlin = 52,31) und 52. Breitengrad Süd .
Was bedeutet, dass die meisten dicht besiedelten Gebiete der Erde potenziell vom Satelliten getroffen werden könnten.
Die ersten Schätzungen des US Strategic Command erwarten laut vz.ru momentan den 26. November als Absturzdatum, sollte Phobos-Grunt unerreichbar bleiben.

Jeden Tag fallen kleinere oder größere Stücke Weltraumschrotts auf unseren Planeten, ohne dass wir es mitbekommen. Sogar bei ausgedienten Satelliten wissen selbst die mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestatten verantwortlichen Behörden oftmals nicht, wo genau sie auf die Erde gestürzt sind.

Im Unterschied zu den normalen ausgedienten Satelliten, die unkontrolliert zur Erde zurückkommen, besteht bei Phobos-Grunt ein Extraproblem: 7 Tonnen extrem giftiger Treibstoff, der für die lange Mission vorgesehen ist. (Wir ziehen das optimistische "ist" dem pessimistischen "war" vor.)

Grund genug, dass Phobos-Grunt von einigen Beobachtern bereits als "Most Toxic Falling Satellite"
bezeichnet wird.

Wir bleiben dran am Schicksal des Satelliten und der Mission.

Wo ist Phobos-Grunt in diesem Moment?

>>> HIER

Live-Tracking von Phobos-Grunt jetzt online.
Zugeschriebene Nummer im USSPACECOM Katalog (NORAD): 37872

Phobos-Grunt: Ernste Probleme bei der russischen Mars-Mission

Dienstag, 8. November 2011

Irgend etwas ist schiefgegangen.
Nachdem der Start der Zenit 2SB mit Phobos-Grunt und Yinghuo-1 beladen erfolgreich verlaufen war (Video), wurde das Spacecraft nicht im vorgesehenen Orbit gefunden. Das ging so weit, dass SeeSat-L um die Mithilfe von Amateur-Beobachtern bat.

Dann meldeten Radar und ein einzelner Beobachter aus Brasilien die Sichtung von 2 Objekten im vorgesehenen Orbit. Kurz darauf folgte der mittlerweile schon berühmte Kommentar von Anton Ledkov: "ЧП, нет телеметрии".

Die Geschichte geht gleich weiter, denn es scheint positive News zu geben  ......

Es herrscht weiterhin Verwirrung, aber die Lage scheint nicht ganz hoffnungslos zu sein. Anscheinend WURDE nun doch Ping-Kontakt (Goldstone) hergestellt, allerdings nicht mit den Verantwortlichen bei Roscosmos, welche sich in Schweigen hüllen.
   Es liegen ein paar Meldungen vor, die besagen, dass Phobos-Grunt sich in sicheren Bedingungen und Status befinden KÖNNTE.

Viel mehr Fragen als Antworten. Hat die erste Zündung stattgefunden? Kann ein Reset vorgenommen werden? Wird die zweite Stufe der MDU Propulsion Unit in 15 Minuten zünden (Was anscheinend katastrophal wäre, wenn die erste nicht gezündet hat)? Aber die wichtigste: Ist Phobos-Grunt bereits verloren oder nicht?

Anstatt Information zu vermitteln wird in den verschiedenen Foren und anderen Portalen jetzt gebetet und gehofft ... es liegen einfach keine Meldungen vor. Wir müssen uns gedulden und warten.

Es herrscht weiterhin Stille, als sei ein Nachrichtenverbot erlassen worden.

Vladimir Popovkin, Chef der Roskosmos, wird jetzt zitiert:

"We discovered that the propulsion system failed. None of the engine firings happened. This was foreseen during the design phase, & a course of action was envisaged for this situation. No tanks were dumped, no fuel was spent & there will be an effort to regain control and re-target the burns. ... I won't say that the launch was a failure. It was an abnormal situation - but it has already been worked out. .... Russian specialists have only three days to upload the new software before the batteries run out of power..."
Das werden also spannende kommende Tage.


 
 
 

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