Wann und wo kann ein Tropischer Sturm oder Hurrikan eigentlich auftreten und vorhergesagt werden?

Dienstag, 9. August 2011

Aufgrund zahlreicher Zuschriften und der Auswertung unserer Suchstatistiken sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir ein wenig mehr auf grundlegende Informationen bezüglich des Verlaufs und der Prognosemöglichkeiten einer Hurrikansaison eingehen sollten.

Wir bekommen jede Menge Anfragen und erkennen in unserer Statistik auch jede Menge Suchanfragen, bei denen es darum geht, wann oder wo genau ein Tropischer Sturm in naher oder fernerer Zukunft auftreten wird. Oder anders herum: Ob es zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort einen Tropischen Sturm geben wird.

Leider lautet die ernüchternde Antwort: Man kann im Voraus* weder den Zeitpunkt noch den Ort eines Tropischen Sturms oder Hurrikans vorhersagen, woraus resultiert, dass man im Voraus* auch nicht sagen kann, ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort einen Tropischen Sturm oder Hurrikan geben wird.

* "Im Voraus" bedeutet in diesem Fall mehr als etwa eine Woche, oft weniger.

Wir sprechen von einem Tropischen Sturm oder einem Hurrikan (sehr starker Tropischer Sturm, siehe auch: Saffir-Simpson-Skala), wenn es sich um einen Wirbelsturm im Atlantik oder im Nordostpazifik handelt.

Neben vielen anderen Faktoren ist ein Umstand Grundvoraussetzung, damit sich ein solcher Wirbelsturm bilden kann: das Meerwasser muss eine hohe Temperatur haben.

Anhand von aus langjährigen Beobachtungen gewonnenen Erfahrungswerten hat man jeweils ein Zeitfenster festgelegt, innerhalb dessen wir von der "offiziellen Hurrikansaison" sprechen.

Diese dauert:

im Atlantik vom 1. Juni bis zum 30. November

und

im Nordostpazifik vom 15. Mai bis zum 30. November

(siehe auch: Wie lange dauert eine Hurrikansaison?

Dies bedeutet nicht, dass außerhalb dieser Zeit kein Tropischer Sturm auftreten kann (vereinzelt, aber selten, GIBT es Tropische Stürme kurz vor Beginn oder nach Ende der "offiziellen" Hurrikansaison), sondern dass innerhalb dieses Zeitfensters die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sich Tropische Stürme bilden.

Experten erstellen jeweils vor einer Hurrikansaison eine Jahres- bzw. Saisonvorhersage, die in erster Linie auf Statistiken im Zusammenhang mit zu erwartenden meteorologischen Bedingungen (z. Bsp. El Niño und La Niña) basiert.

Diese meist ziemlich zutreffende Prognose kann aber nur darüber Auskunft geben, wie viele Stürme und Hurrikans es in einer Hurrikansaison geben wird, nicht aber hinsichtlich des Zeitpunktes oder des Ortes.

Es gibt auch Prognosen, die sich auf die einzelnen Monate einer Saison beziehen. Diese "leiden" aber unter demselben Problem wie die Jahresvorschau: Sie können letztlich nur statistisch ermittelte Werte über die Wahrscheinlichkeit liefern, wie viele Stürme es in dem betreffenden Monat geben wird. Kein Wo. Kein Wann.

Bei der Frage nach dem genauen "Wo?" und "Wann?" hilft uns auch keine Statistik mehr weiter. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen in jeder einzelnen Hurrikansaison.

Allerdings kann man - und generell gesehen sogar mit erstaunlicher Präzision - die Zugbahn, die Lebensdauer, die Stärke, gegebenenfalls den Ort des Impakts und vieles mehr eines Tropischen Sturms vorhersagen, sobald er sich gebildet hat sprich existent ist.

Und in diesem Punkt sehen wir aufgrund der großen Nachfrage das Hauptanliegen dieses Portals. Uns geht es weniger um Auswertungen, Nachberichte, Saisonprognosen etc., sondern in erster Linie darum, aktuell und auf Deutsch zu berichten, was gerade hinsichtlich eines Sturms passiert und wahrscheinlich von ihm zu erwarten ist.

Logischerweise besteht das zentrale Interesse an diesen Informationen bei Touristen und Urlaubern, welche die schönste Zeit des Jahres an irgendeinem sonnigen Ort auf dem oder in der Nähe des amerikanischen Kontinenten verbringen wollen, aber nicht genau wissen, wie sie das Sturmrisiko einschätzen sollen oder können.

Zusammenfassend gilt es also festzuhalten:

- Es ist unmöglich vorherzusagen, wann und wo genau sich ein Sturm bilden, wie er sich entwickeln und wohin er ziehen wird, solange besagter Sturm nicht bereits existiert. Ob sich aus einem Tiefdruckgebiet möglicherweise ein Sturm bilden wird, kann man in den meisten Fällen zwischen wenigen Tagen und etwa einer Woche vor Entstehen prognostizieren (es kann mit dem Erreichen des Status "Tropischer Sturm" allerdings auch schneller gehen oder länger dauern!!!)

- Innerhalb der oben beschriebenen Zeitfenster muss der Urlauber zwar mit der Möglichkeit rechnen, dass es während seines Aufenthalts an seinem Urlaubsort einen Sturm geben wird, aber wie hoch (bzw. gering) die Wahrscheinlichkeit wirklich ist, kann man sich zumindest ungefähr selbst ausrechnen, indem man ein paar einfache statistische Berechnungen anstellt.

- Kurz vor Abreise sollte man prüfen, ob vor (Urlaubs-)Ort gerade ein Sturm existent oder in Entwicklung befindlich ist.

- Einmal am Urlaubsort angekommen, sollte man das Verfolgen der meteorologischen Prognosen nicht ganz vernachlässigen, wobei anzumerken gilt, dass man es bei Aufenthalt in einem Hotel oder anderweitig "in der Zivilisation" keinesfalls verpasst, wenn sich ein Sturm nähert. Etwas aufmerksamer sollten Leute sein, die sich in die von Menschen und Informationen abgeschnittene Einsamkeit - vor allem in Küstennähe - begeben wollen. Diese sollten sich vor Aufbruch noch einmal die jeweils aktuelle Lage im Pazifik oder Nordostlantik ansehen.

- Generell muss betont werden, dass man keine Angst zu haben braucht, sollte sich tatsächlich ein Sturm oder gar ein Hurrikan dem Urlaubort nähern. Wichtig ist allerdings, die Empfehlungen und Anweisungen des Zivilschutzpersonals strikt zu befolgen und sich nicht leichtsinnig zu verhalten, denn es lauern oft dem Touristen nicht allzu bekannte Gefahren**, in den meisten Fällen erst NACH Durchzug eines Sturms.


** Viele Leute glauben immer noch, dass die starken Winde beim Durchzug eines Sturms das Gefährlichste sind. Das mag auf Materialschäden bezogen sicher auch richtig sein, nicht aber, wenn es um Gesundheit und Leben geht. Heutzutage ist man darüber informiert, wann ein Sturm ankommt und hält sich dementsprechend in sturmsicheren Unterkünften auf. Die jeweiligen Regierungen stellen im Bedarfsfall sichere Notunterkünfte zur Verfügung und evakuieren bestimmte Zonen.
Zu Verletzungen und Todesfällen kommt es meist erst nach dem Durchzug des Zyklons, dann nämlich, wenn die oft immensen Regenfälle Hochwasser mit starken und unsichtbaren Strömungen im Meer (dort natürlich auch hohe Wellen) und in der Küste nahen Flüssen verursachen. Weiterhin sind oft Menschenleben zu beklagen, wenn durch den anhaltenden Regen verursachte Erdrutsche Häuser unter sich begraben.

2 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Sie schreiben :
denn es lauern oft dem Touristen nicht allzu bekannte Gefahren, in den meisten Fällen erst NACH Durchzug eines Sturms.

Was sind das denn für Gefahren die einem Urlauber drohen können?

Hurrikansaison hat gesagt…

Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Artikel um einen Absatz ergänzt, wobei das Thema sicherlich auch einen eigenen Beitrag erfordert, dem wir uns bei Gelegenheit widmen werden.

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